Zuerst wird auf dem Feld geackert… und dann am Schreibtisch: da wird dann geschrieben, gemalt und geklebt. Dies steht ganz im Zeichen der Waldorfpädagogik, die von Anfang an das Denken, Fühlen und Wollen anspricht. So war es auch bislang rund um das Landwirtschaftspraktikum in der neunten Klasse: nach den gelebten Erfahrungen auf einem Hof wurden Texte, Zeichnungen oder Fotografien zu Papier gebracht, schwarz auf weiß oder auf farbigem Untergrund, in einem ca. 20seitigen früher handschriftlichen Bericht.
Bereits im ersten Schuljahr bildet die Gestaltung der Hefte – auf analoge Weise versteht sich – einen wichtigen Bestandteil, wenn die Schüler mit Wachsblöcken Seiten grundieren, bevor Buchstaben oder Zahlen eingetragen werden. Inhalt und Darstellung sollen also in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
Im vergangenen Jahr kristallisierte sich aus den Ergebnissen der Schulumfrage eindeutig der Wunsch nach erweiterter Vermittlung von Medienkompetenz als Teil des Schulkonzepts heraus. Daraufhin hat sich der Arbeitskreis Mediencurriculum gebildet, zu dessen erstem Projekt nun die Erstellung des Berichtes zum Landwirtschaftspraktikum am Computer gehört.
Bedeutung und Ablauf des Praktikums bleiben wie gewohnt, die Form des schriftlichen Abschlussberichtes verändert sich aber. Während des Hofaufenthaltes halten die Jugendlichen ihre Erfahrungen nach wie vor in handschriftlichen Notizen fest, die sie, zurück in der Schule, dann auf den Computer übertragen. „Der Abgabetermin dafür lag immer auf dem ersten Montag nach den Herbstferien und es war den Jugendlichen freigestellt, den Bericht von Hand oder mit dem Computer anzufertigen. In den letzten Jahren wurde der überwiegende Teil bereits digital erstellt. Anleitungen oder Hilfestellung seitens der Schule gab es allerdings nicht“, berichtet Wolfgang Grygo, der mit Franz Glaw und sachkundigen Eltern den Arbeitskreis betreut. Denn nicht nur der Umgang mit Designprogrammen, sondern auch mit Word und seinen Funktionen weist auf sehr unterschiedliche Vorerfahrungen in der Schülerschaft hin und zeigt, dass sie gezielter Unterstützung bedürfen wie z.B., wenn Fotos nun nicht mehr ausgedruckt, sondern als Datei in das Layout integriert werden müssen. Franz Glaw betont: „Über die unterschiedlichen Vorerfahrungen in der Klasse wurde uns bewusst, dass wir langsam Schritt für Schritt und differenzierend vorgehen müssen. Unser Anliegen ist es ja, medienpädagogische Aspekte unterrichts- bzw. inhaltsbezogen immer wieder einzubeziehen. Wenn man bedenkt, dass noch das Feldmess- und Sozialpraktikum anstehen sowie die Jahresarbeiten, warten noch genug Gelegenheiten, sukzessive an Fortschritten und Fähigkeiten zu arbeiten.“
Und so kann man diesen ersten Durchlauf zunächst auch als Anfang sehen mit all seinen Herausforderungen und Schwierigkeiten bzgl. der Realisierung, der letztendlich ein erster Schritt auf dem Weg zu zufriedenstellenden Ergebnissen sein soll. Es geht bei dem Medienprojekt darum, die individuelle Ausdrucksfähigkeit und die Gestaltungskraft vormals handschriftlich erstellter Arbeiten wie z.B. bei der Biografiearbeit in der 8. Klasse auf die digitale Ebene „hinüberzuretten“ bzw. auszudifferenzieren.
Ziel ist es damit, die Heranwachsenden zu befähigen, auch in standardisierten Software-
programmen individuelle Ideen und Fertigkeiten zum Ausdruck zu bringen. Bei alledem
darf aber nicht der tiefere Sinn des Landwirtschaftspraktikums, das jungen Menschen Einblicke in die unterschiedlichsten Arbeitsprozesse und -techniken in der Landwirt-
schaft schenkt, in den Hintergrund rücken. Die Bandbreite an Erfahrungen ist mit der Versorgung der Hoftiere, Melken, Ausmisten, der Produktion von Milchprodukten, Säften etc. und dem sozialen Miteinander der Bauersfamilie sehr weit und bringt wichtige Erfahrungen in einem Lebensalter mit sich, in dem Jugendliche ihren Willen erproben und Aufgaben erfüllen wollen. Mit der Pubertät erlangen sie, wie Rudolf Steiner es nennt, die Erdenreife.
Das Ackern auf einem Feld und die Arbeit mit Tieren leisten da einen sehr wesentlichen unterstützenden Beitrag.
In diesem Sinne hebt einer der Betreuer der Arbeitsgruppe hervor: „Dies muss weiterhin der Schwerpunkt bleiben ebenso wie der mündliche Vortrag über die gelebten Erfahrungen vor Lehrern, Mitschülern und Eltern, also in der direkten Begegnung mit anderen Menschen.“
Franz Glaw resümiert mit Blick auf den nun ersten Durchlauf: „Es zeigten sich noch viele Probleme: Im Umgang mit Touchpad / Maus („Linke Maustaste gedrückt halten und ziehen“), mit Dateien in ungeeigneten Formaten, dem Sortieren hunderter von unbenannten Fotos, beim Erstellen von Ordnern oder dem Kopieren von Dateien, etc. Die Arbeit auf drei verschiedenen Ebenen (Dateimanager, Word, InDesign) überforderte im ersten Anlauf die meisten Schüler.
Es gibt zur Zeit noch unterschiedliche Betriebssysteme und Word-Versionen auf den Laptops. Von daher soll in Zukunft für die Erstellung des Berichtes mehr Zeit eingeplant und die Abgabe erst am zweiten Samstag nach den Herbstferien sein – nach der Präsentation der Erfahrungen auf einem Hof. Zudem wird ein geeigneter und entsprechend eingerichteter Unterrichtsraum für die Vorbereitungsarbeiten benötigt, und im Vorfeld wird frühzeitig vor dem Praktikum eine Einweisung in die notwendigen Basiskenntnisse erfolgen."
A. Vogelgesang





