Zu Besuch in der Tonhalle
Am vergangenen Donnerstag ging es für die Dritte Klasse mit Bus und Bahn in die Tonhalle. Die angehenden Musiker des Klassenorchesters hatten hier schon einmal die Gelegenheit, große Bühnenluft zu schnuppern. Geführt von Ariane Stern konnten die Kinder in der Rotunde nach kurzer Geschichts-stunde dem eigenen Echo im Zentrum unter dem „Stalaktitenfeld“ von Günther Uecker lauschen. Besonders beeindruckt waren die Kinder auch darüber, dass für den Umbau des einstigen Planetariums die gewaltige Kuppel entfernt worden war. Saßen die Kinder auch richtig? Auf der Orchesterbühne wurde geklärt welches Instrument welchen Platz im Orchester hat, warum dort zwei Harfen verlassen stehen und wie man einen Konzertflügel auf die Bühne bekommt. Die zunächst nur als unregelmäßig angebrachte Lämpchen erkennbaren Lichtpunkte in der Kuppel des Konzertsaals konnten den staunenden Kindern als Sternbilder von Adolf Luther erläutert werden. Abgerundet wurde der Bühnenaufenthalt auf den Plätzen der Düsseldorfer Symphoniker durch die erlebbare atemberaubende Akustik des Saals bei einem Geburtstagsständchen. Musiker haben es gut! Der Backstage-Bereich wurde inspiziert und vom „Musikertreppenhaus“ aus konnte die Kirmes bewundert werden: „Die können ja in der Pause auf die Kirmes gehen!“ Was hat eigentlich Werken mit Musik zu tun? Das erklärte die Solo-Oboistin Gisela Hellrung in einer der Solistengarderoben: Das „Ding“ was aussieht wie ein Strohhalm und so klingt wie eine Ente wird selbst gebaut, um den gewünschten Klang zu erhalten. Dabei leiden die Finger. Dass nicht nur das Doppelrohrmundstück allein, sondern auch das ganze Instrument wie eine Ente klingen kann, davon konnten sich die Kinder beim Anspielen „der Ente“ aus Sergei Prokofjew‘s Peter und der Wolf überzeugen. Auch von der komplizierten Mechanik der Oboe waren die Kinder beeindruckt. Ein Instrument, das ursprünglich so ähnlich wie ein Blockflöte aussah, hatte für jedes musikalische Bedürfnis in der Vergangenheit eine Klappe hinzubekommen und besteht heute aus fast 250 Einzelteilen. Zum Glück werden für Oboen keine Bäume gefällt. Sie werden nur aus abgeschnittenen Ästen gefertigt. Diese werden zunächst bis zu 20 Jahre eingelagert und den natürlichen klimatischen Schwankungen ausgesetzt, damit das spätere Instrument keine Risse bekommt. Nachdem jedes Kind einmal das Grenadillholz des Instruments anfassen durfte ging es weiter in die Abstellkammer der Bühne, zum Ursprung des Bühnenaufzugs. Hier waren schon erste Klänge des Einspielens für die bald darüber beginnende Orchesterprobe zu hören, die die Klasse für eine Viertelstunde besuchen durfte. Die Orchesterprobe war der lebendige Beweis dafür, dass „nicht still sitzen“ auch einmal nichts mit Disziplinlosigkeit zu tun haben kann: Während die Kinder andächtig dem überwältigenden Klangerlebnis bei der Probe zu Edward Elgar’s Enigma-Variationen lauschten, begeisterte der Solo-Cellist Doo-Min Kim, indem er sich nicht nur musikalisch, sondern auch körperlich sichtbar intensiv einbrachte. Auch die Kinder konnten sich im Anschluss zum Besuch auf dem benachbarten Spielplatz noch einmal so richtig austoben, bevor es wieder zurück zur Schule ging. Michael Heynen |